Abschuss eines Wolfes aus dem Rodewalder Rudel bei Nienburg/Weser

Hannover, 08.04.2021

PI 044/2021 Pressemitteilung des Nieders. Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Umweltschutz.

Am Vormittag des (heutigen) Mittwoch wurde das Niedersächsische Umweltministerium über einen Vollzug im Rahmen der aktuell geltenden Ausnahmegenehmigung für einen Wolf des Rodewalder Rudels informiert. In der Nacht zum 07. April 2021 wurde innerhalb des Territoriums des Rudels im Geltungsbereich der Genehmigung ein nach erster in Augenscheinnahme ein- bis zweijähriger, weiblicher Wolf getötet.

Dem Standardprozedere folgend wird der Kadaver aktuell routinemäßig vom NLWKN geborgen. Eine genetische Untersuchung zur Identifizierung des Wolfs mittels Gewebeprobe wird eingeleitet. Das Ergebnis über dessen Herkunft wird aller Voraussicht nach Ende der kommenden Woche feststehen. Die Obduktion des Kadavers erfolgt im Rahmen des regulären bundesweiten Totfundmonitorings beim Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin.

Um die mit dem konkreten Vollzug befassten Personen vor Übergriffen zu schützen, wird deren Identität nicht bekannt gegeben. Dabei ist sichergestellt - und auch gesetzliche Voraussetzung nach § 45a Abs. 4 Bundesnaturschutzgesetz - dass nur geeignete Personen den Vollzug vornehmen.

Die Genehmigung ist beschränkt auf fest definierte Teile des Kernterritoriums des Rodewalder Rudels in Gemeinden des Landkreises Nienburg/Weser sowie des Heidekreises. Aus Gründen des Tierschutzes ist die Ausnahmegenehmigung zeitlich befristet bis zum 15. April 2021. Der Vollzug wird aufgrund der erfolgten Entnahme zunächst ausgesetzt.

Hintergrund und rechtliche Grundlage für die Tötung:

Seit dem Frühjahr 2018 war es im Territorium des Rodewalder Rudels vermehrt zu Übergriffen von Wölfen auf Nutztiere gekommen. Dabei hatten Wölfe nicht nur kleinere Nutztiere wie Schafe erbeutet, sondern wiederholt Rinderherden angegriffen. Aus den DNA-Analysen und den vorgefundenen Rissbildern ging hervor, dass der Leitwolf des Rudels, der Rüde GW717m, an den Rissereignissen überwiegend beteiligt war.

Am 23. Januar 2019 wurde daher erstmalig durch den NLWKN eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Entnahme des Leitrüden GW717m erteilt. Mit dieser Ausnahmegenehmigung wurde insbesondere die Gefahr der Fortführung und Weitergabe von in der Kulturlandschaft untypischen und inakzeptablen Jagdtechniken von Wölfen in Bezug auf ausreichend geschützte große Huftiere gewürdigt. Aufgrund ausbleibender weiterer Herdenschutzüberwindungen und einer damit günstigeren Schadensprognose wurde die Genehmigung nach dem 31. März 2020 zunächst nicht verlängert.

Entgegen dieser Prognose im März 2020 sind in der Folge jedoch weitere Rissvorfälle im Territorium des Rodewalder Rudels aufgetreten, denen neben Rindern auch Pferde zum Opfer fielen. Die Verursacherschaft durch Wölfe des Rodewalder Rudels wurde per DNA-Analyse bestätigt. Auch Nachkommen von GW717m haben – die ursprüngliche Einschätzung bestätigend - an der gemeinsamen Jagd auf Rinder und Pferde mitgewirkt.

Auf Grund dieser Schadensereignisse wurde vom NLWKN am 17. Juli 2020 erneut eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung eines Wolfs des Rudels erlassen, konkret wiederum auf den Leitrüden GW717m. Die Genehmigung wurde am 11. Dezember 2020 verlängert und aus Tierschutzgründen bis zum 15. April 2021 befristet.

Seit 2017 bis zum Zeitpunkt der Genehmigungserteilung waren im Territorium insgesamt 82 Schafe, 2 Ziegen, 1 Alpaka, 3 Ponys, 2 Pferde, 17 Kälber und 5 Rinder zu Schaden gekommen.

Die durch das Rodewalder Rudel verursachten Kosten (direkte Schäden und spezifische Präventionsleistungen) belaufen sich auf derzeit überschlägig auf 1,25 Millionen Euro. Die letzten Nutztierschäden wurden im März 2021 aus dem Heidekreis gemeldet. Auch hier wurde neben GW717m ein Nachkomme des Rüden genetisch nachgewiesen.

Gefahr Wolf: Verbände fordern schnelles und konkreteres Handeln der Politik

Bundesministerin Klöckner eröffnete Zentrum Weidetiere und Wolf (BZWW)

01.04.2021 |  Julia Basic

Warendorf (fn-press). Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat im brandenburgischen Eberswalde das von ihr neu gegründete „Bundeszentrum Weidetiere und Wolf“ eröffnet. Aufgabe des Zentrums ist es, praxisgerechte Lösungen und Möglichkeiten der Koexistenz von Weidetieren und Wolf zu erarbeiten und Konflikte zu verringern, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Der Deutsche Bauernverband und die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) begrüßen zwar die Einrichtung des Zentrums, fordern aber ein schnelleres Handeln beim Schutz von Weidetieren vor dem Wolf.

Lösungsvorschläge, wie einen Wolfsmanagementplan, haben die Verbände unter dem Dach des Aktionsbündnisses Forum Natur (AFN) bereits erarbeitet. Sie waren maßgebliche Treiber bei der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes, das die Bundesländer über einen neuen Managmenentparagraphen effektiverer Wolfsverordnung zu erlassen, dennoch bewegt sich zu wenig.

„Es fehlt weiterhin an der Umsetzung eines aktiven Wolfsmanagements in den Bundesländern. Solange wir keine regionalen Wolfsverordnungen haben und das Bundesnaturschutzgesetz weitgehend nicht angewandt wird, wird sich nichts ändern“, sagt Bernhard Feßler, Leiter des FN-Hauptstadtbüros. Die FN fordert ein modernisiertes Wolfsmonitoring, um nachvollziehen zu können, wie sich der nationale Wolfsbestand entwickelt und um einen darauf aufbauenden Akzeptanzbestand für den Wolf in den Bundesländern zu definieren. Das Bundesnaturschutzgesetz bietet seit seiner Novellierung weiterreichende Möglichkeiten zur Entnahme von Wölfen. „Es dauert aber viel zu lange, bis es zum Abschuss kommt, wenn ein Wolf nachweislich Weidetiere angegriffen hat. Wir brauchen klare Entnahmeregelungen – auch rudelweise – ohne viele Ausnahmen, zermürbende Genehmigungswege und die Bedrohung von Jägern“, fordert Bernhard Feßler.
Das neue Zentrum sei zwar ein wichtiger Schritt, es dürfe dort aber nicht bloß um Zaunbau und Herdenschutz gehen, sondern es müssen vielmehr die Wolfsregulierung und die Umsetzung der Wolfmanagementpläne im Vordergrund stehen. Ziel müssen einheitliche Standards sowohl im Schutz als auch der Bestandsregulierung sein. Diesbezüglich sei der Standort in Eberwalde gut gewählt. Man habe an den dortigen wissenschaftlicheren Einrichtungen der Forstwirtschaft eine jahrzehntelange Tradition im Aktiven Bestandsmanagement des Schalenwildes. „Wenn die Palette nun um die Bejagung des Wolfes erweitert wird, dann kann Herdenschutz „made in Eberswalde“ ein Erfolgsmodell werden“, so Bernhard Feßler.

„Von uns Pferdehaltern wird immer gefordert, auch von Seiten des BMEL, dass alle Pferde täglich mehrstündige freie Bewegung erhalten. Offenställe, Paddocks und Weiden sollen bitte genutzt werden, aber wer möchte sein Pferd rausstellen, wenn Wölfe durch die Gegend streifen? Und der Bau von massiven Zäunen kann auch nicht die Lösung sein. Wir wollen schon allein des Artenschutzes und der Wildtiere wegen keine Verzäunung der kompletten Landschaft. Zudem gibt es keinen sicheren Herdenschutz – außer im Zoo“, so Feßler. Viele Züchter, vor allem die kleinen, stünden quasi schutzlos und von der Politik allein gelassen mit dem Rücken zur Wand. Viele Betriebe gäben mittlerweile auf. Dies sei ein fatales Signal des Pferdelandes Deutschland mit seiner exzellenten Zucht. Die FN fordert daher, dass auf Sachebene und ohne Emotionen ein Austausch der Interessen, vor allem auch unter wissenschaftlichen Erkenntnissen stattfindet. jbc

Mehr Informationen zum Thema Wolf und Pferde gibt es auf auch unter www.pferd-aktuell.de/ausbildung/pferdehaltung/gefahr-wolf
Die Pressemitteilung des Deutschen Bauernverbandes ist hier zu finden: www.bauernverband.de/topartikel/dbv-zur-eroeffnung-bundeszentrum-weidetiere-und-woelfe

Aktionsbündnis Aktuelles Wolfsmanagement im LBZ Echem

31.03.2021 PLN ad

Vertreter des Aktionsbündnisses Aktives Wolfsmanagement trafen sich am 29. März im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Echem. Dort wurde kürzlich die neue Demonstrationszaunanlage zum Thema Herdenschutz fertiggestellt. Die Veranstalter nahmen dies zum Anlass sich die Anlage vorzustellen zu lassen und sich über die vergangenen und zukünftigen Entwicklungen zum Thema Wolf auszutauschen.

Neun Teilnehmer trafen sich, unter Berücksichtigung aller Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln vor Ort im LBZ Echem. Mit anwesend waren Vertreter des Landvolk Niedersachsen, der Weidetierhalter Deutschland e.V., des Fördervereins der Deutschen Schafhalter, der FN und der Pferdeland Niedersachsen GmbH. Dem Austausch zum Thema Wolf waren weitere Teilnehmer per Videokonferenz dazu geschaltet, unter anderem auch Steffen Pingen, Leiter der Abteilung Umweltpolitik und Nachhaltigkeit im Deutschen Bauernverband. Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, begrüßte zusammen mit Martina Weber, der Geschäftsführerin des LBZ Echem, die Teilnehmer vor Ort und virtuell.

Als erstes wurden die aktuellen Zahlen des Wolfsmonitoring vorgelegt, die aufzeigen, dass 2020 in Niedersachsen 35 Rudel und zwei Paare leben. In gesamt Deutschland leben lt. Monitoring mehr als. 1000 Wölfe. Wolfshotspots waren in den vergangenen Monaten das Emsland mit Löhningen und Herzlake und die Gegenden um Uelzen und Ebstorf. Dazu muss man wissen, dass der Zählungszeitraum immer von April bis April geht. Damit liegen die genannten Zahlen bereits wieder ein Jahr zurück. Die inzwischen hinzugekommenen Welpen aller Rudel sind nicht erfasst. Würden alle Tiere bis heute erfasst, könnte man von ca. 1.800 bis 2.200 Wölfen in ganz Deutschland ausgehen.

Dies wurde auch von Steffen Pingen, Deutscher Bauernverband, so gesehen. Dort vertritt man auf Bundesebene die Ansicht, dass Herdenschutz zum Schutz der Weidetiere vor dem Wolf nicht ausreicht und als zielführende Lösung die Regulierung des Bestandes gesehen wird. Grundlage hierzu sollte ein Akzeptanzbestand sein, der auch ein Nachdenken über Gebietsfestlegungen, die die Ansiedlung des Wolfes erlauben oder auch verbieten, beinhaltet.

Fragen gab es zum neuen „Bundeszentrum Weidetiere und Wolf“, das in Eberswalde in Brandenburg entstehen wird. Dort soll ein nationales Kompetenzzentrum zum Thema Herdenschutz aufgebaut werden. Das Zentrum soll zukünftig relevante Akteure, Länder, Berater und insbesondere die Nutzerverbände in ihrer Arbeit beim Herdenschutz, aber auch bei anderen Fragen zum Umgang mit dem Wolf unterstützen. Hierzu forderte der DBV fordert von den Verantwortlichen eine zügige Umsetzung.

Dazu kann ab sofort das LBZ Echem einen guten Beitrag leisten. Elke Steinbach, die den Herdenschutz in der Landwirtschaftskammer Niedersachsen koordiniert, stellte die neue Demonstrationszaunanlage auf dem Gelände vor. Hier können die offiziellen wolfsabweisenden Zaunanlagen für alle Arten von Weidetieren gezeigt und erklärt werden. Zukünftig sollen hier Infotage zu allen Fragen rund um den Zaunbau für Weidetiere stattfinden. Beratung, Information und Sachkunde sind die Kernkompetenzen dieses Projektes.

Gerade die Aufstellung von wolfsabweisenden Zäunen legt natürlich immer wieder die Frage nach den Kosten und der Unterhaltung nahe, ebenso das gesamte Thema rund um Präventions- und Ersatzleistungen bei Wolfsübergriffen. Hierzu berichtete das Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement, dem auch die Pferdeland Niedersachsen GmbH angehört, dass im Frühjahr Ergebnisse aus einer Studie des KTBL zu Zaunbau- und -Pflegekosten in der Rinder- und Pferdehaltung erwartet werden. Ebenso hat das niedersächsische Umweltministerium ein wissenschaftliches Gutachten zum Erhaltungszustand des Wolfs in Niedersachsen angekündigt. Die Einstufung des Erhaltungszustands als "günstig" ist rechtliche Grundlage für weitergehende Managementmaßnahmen, wie eine reguläre Bejagung von Wölfen. Dazu wird das Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement einen Brief an die Umweltminister mit Forderungen zum Thema Wolf im Vorfeld der Umweltministerkonferenz vom 21. - 23. April zur Verdeutlichung der rasant anwachsenden Problematik aufsetzen. 

Pferdeland Niedersachsen GmbH

Gesellschafter

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